27. und 28. Februar 2016: Retrotreffen Köln-Bonner Bucht

Was 2014 als lockeres Treffen verschiedener Mitglieder des Vereins zum Erhalt klassischer Computer begann, hat sich mittlerweile zu einem festen Termin im Veranstaltungen des VzEkC e.V. des Vereins zum Erhalt klassischer Computer e.V. entwickelt.

Letztes Wochenende fand das „Retrotreffen Köln-Bonner Bucht“ zum 7. Mal in der Schloßstadt Brühl statt, erstmalig als zweitätige Veranstaltung mit Übernachtungsangebot und Abendprogramm ausgelegt und zudem unter freundlicher Berücksichtigung der lokalen Presse.

In Zeiten von Großveranstaltungen wie der Gamescom in Köln (ca. 345.000 Besucher), oder der jährlichen Classic Computing (ca. 1.500 Besucher), mag so ein regionales Treffen mit ca. 20 aus der gesamten Bundesrepublik angereisten Teilnehmern auf den ersten Blick nicht „so“ spektakulär wirken. Auf der anderen Seite zeichnet sich solch eine Veranstaltung ja nicht durch die Anzahl der Besucher – sondern durch die Zusammensetzung der Teilnehmer aus, durch die mitgebrachten und ausgestellten Exponate und die erzielten (Reparatur-) Ergebnisse vor Ort.

Und da gab es eine Menge zu bestaunen!

Die Bildergalerie zum Treffen ist im Forum öffentlich einsehbar.

Angefangen bei der „wirklich ersten“ smarten Digitaluhr von Seiko, die bereits 1984 über den seriellen Port eines Computers programmiert und konfiguriert werden konnte. Die Seiko RC-1000 ist kompatibel zu den damals populären Rechnern wie Apple II, II+ und IIe, Commodore 64, IBM PC, NEC 8021 und den diversen TRS-80 Modellen von Tandy RadioShack.

Und auch heute, 32 Jahre später, ist diese Digitaluhr immer noch ein echter Hingucker. In Zeiten von Apple Watch und anderer Smart Devices, beweist der Träger einer RC-1000 „echtes“ Understatement und Sinn für Computernostalgie. Die Drei-Zeilen-Dot-Matrix der Uhr wirkt heute moderner denn je und wer mit den 32 oder 64 GB des Smartphones an die Grenzen seiner Speicherkapazität stößt, der wird nicht glauben, dass die Seiko-Uhr damals mit 2 KB RAM auskam.

Zugegeben, die Usability der mehr als 30 Jahren alten Software (vorgeführt auf einem Commodore SX64) ist unter modernen GUI-Gesichtspunkten natürlich nicht mehr zeitgemäss. Auf der anderen Seite ist es beeindruckend, dass die Konfigurationssoftware komplett in Basic programmiert wurde. Der Datenaustausch via serieller Schnittstelle ist bestens im Netz dokumentiert, so dass sich auch heute immer noch User finden, die für moderne Computersysteme unter Windows und OS X entsprechende Konfigurationsprogramme entwickeln.

Bei den Teilnehmern des Treffens war ein erfreulicher Trend zu erkennen. Neben den Vereinsmitgliedern waren diesmal auch einige neue Gesichter mit ihren Rechnern angereist. Einige mit dem Originalrechner aus der Jugend, erweckt aus dem Dornröschenschlaf auf dem Dachboden. Andere, um ihre Eigenentwicklungen vorzustellen, defekte Rechner zu reparieren und/oder um einfach mal über den Tellerrand der eigenen Rechner zu schauen und neue „alte Computer“ kennenzulernen.

Entgegen den Angaben im wenige Tage nach dem Treffen veröffentlichen Bericht im Kölner Stadtanzeiger, war übrigens nicht ein Tandy TRS II des Herstellers RadioShack der älteste Rechner auf dem Treffen, sondern ein Brother Taschenrechner 408 von 1971. Bilder der Restauration werden sicher bald im Vereinsforum zu sehen sein, das Vereinsmitglied Jogi hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Weitere interessante Rechner auf dem Treffen waren:

  • diverse Commodore CBM Rechner (CBM 600, CBM 710, CBM 8032, PET 2001). Der PET 2001 des Mitglieds Spunkt wurde bereits beim letzten Treffen eingehender untersucht. Diesmal sollte der Grund gefunden werden, warum sich der Rechner bei jedem Neustart mit einem unterschiedlichen großen RAM-Speicher meldet. Gut, dass auf solchen Treffen immer ausreichend Oszilloskope und andere Messgeräte, sowie kompetente Vereinsmitglieder (toast_r, axorp) anwesend sind. Als Fehlerquelle wurde ein thermisches Problem diagnostiziert, dem sich das Vereinsmitglied toast_r demnächst in Ruhe daheim widmen wird.
  • eine Menge Commodore 64 in den verschiedensten Varianten und ausgestattet mit zahlreichen Erweiterungen wie bspw. der Ultimate 1541, einem SD2IEC oder einem aufgebohrtem SID. Erwähnenswert an dieser Stelle ist die Eigenentwicklung der Besucher GMP und Lazyjones (beide aus dem Forum64) , eine Kombination aus Hard- und Software, um dem immer noch populären C64 die Tore ins Internet zu öffnen. Realisiert wird dies über eine selbst entwickelte Schnittstelle am C64, mit dem der Rechner auf eine Server-Software auf einem Windows-PC zugreift. Dieser leitet die Anfragen dann per üblichem HTTP-Protokoll ins Internet weiter. Somit kann der Benutzer via LOAD „HTTP://WWW.SERVERADRESSE.DE/DATEINAMEN“ Programme und Dateien aus dem Internet direkt auf seinen C64 laden.
  • Der Teilnehmer Mentalysion hatte den 64er seine Kindheitstage im Gepäck, leider mit defektem 1541-Laufwerk. Natürlich gibt es bei eBay & Co. 1541-Laufwerke im Überfluss, aber da es sich bei dem Laufwerk um ein mit Erinnerungen behaftetes Stück Geschichte aus der Kindheit handelte, sollte nicht irgendein anderes Gerät dessen Platz einnehmen. Also wurde kurzerhand ein Arbeitskreis „Floppy-Reparatur“ gebildet, um die 1541 zu reanimieren. Das Laufwerk wurde zerlegt und zwei auf der Platine aufgelötete Bausteine als defekt identifiziert. Keine unlösbare Aufgabe bei so einem Treffen, wenn ein großer Teil der Teilnehmer mit einem Grundsortiment an oft benötigten Bauteilen und Werkzeug anreisen. Die defekten Bausteine wurden vom Besitzer unter fachmännischer Anleitung selbst entlötet, neue Sockel aufgelötet und mittels funktionierender Bausteine bestückt. Das hätte schon das vom Erfolg gekrönte Ende sein können, wäre da nicht auch noch der defekte Lesekopf gewsen. Nichtsdestotrotz war der Besitzer der Floppy überglücklich, dass er seine „alte Floppy“ selber (unter Anleitung) wieder soweit repariert hatte. Der Austausch des Lesekopfes sollte nun das kleinste Problem darstellen, um das Laufwerk wieder, wie in früheren Kindheitstagen, mit den ebenfalls noch vorhandenen Disketten zu füttern.
  • ein WANG PC 2200 S mit angeschlossenem WANG 2220 Terminal. Das WANG Terminal sollte eigentlich schon beim letzten Treffen seinen Besitzer wechseln, wobei es da noch irrtümlich für einen WANG 2200 PC gehalten wurde, aufgrund seiner identischen Bauweise. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es sich „nur“ um das Terminal handelt und die dazugehörige Zentraleinheit fehlte. Diesmal brachte der Besucher Georg dann aber netterweise eine passende Zentraleinheit mit, so dass das WANG-Terminal auch nach jahrzehntelangem Schlaf wieder in Betrieb genommen werden konnte.
  • zwei Commodore SX64, einer davon als „Wartungsprojekt“. SX64-Besitzer kennen die Probleme mit der externen Tastatur des Rechners. Irgendwann funktionieren einzelne Taste nicht mehr und eine Reinigung der Tastatur wird unumgänglich. Dieser Aufgabe stellte sich der Besucher Goethe (aus dem Forum64). Zuerst galt es die schraubenlose Tastatur ohne Beschädigungen zu öffnen (an dieser Stelle ein Dankeschön an die zahlreichen Tippgeber, wie sich mit einer Plastikkarte die Tastatur öffnen lässt), danach mussten alle Tasten von der Tastatur entfernt werden, um die darunter liegende Tastaturfolie abzulösen und die Platine zu reinigen. Aber der zeitaufwändige Einsatz hat sich gelohnt, die Tastatur funktionierte danach wieder tadellos, so dass einer Runde M.U.L.E. nichts mehr im Wege stand.
  • ein äusserst komplexer Aufbau eines sogenannten Klein-Computers. Der im Jahr 1983 vorstellte mc-CP/M-Computer war ein Selbstbauprojekt des Entwicklers Rolf-Dieter-Klein und wurde im vereinsinternen Forum als Spende angeboten. Mit all seinem Zubehör umfasste diese Spende mehr als 5 Kisten und beinhaltete u.a. diverse Z80 Super EMUF Platinen, EPROM-Programmer und Löschgerät, Z80 PIOs, sowie ein System mit North Star Dos, das unter anderem als Terminal (Software „Crosstalk“) für die Z80 SPU mit der mc SIO Platine benutzt wurde. Kurzum, eine Aufgabe für viele lange Winterabende. Auch nach zwei Tagen war den Mitgliedern fritzeflink und Toast_r noch nicht ganz klar, welche Funktionen das umfangreiche Zubehör hat. Immerhin konnte festgestellt werden, dass das North Star Dos nicht zu den benutzerfreundlichsten Betriebsystemen zählt.
  • diverse Portable (EPSON HX-20, PX-4, PX-8, HP-110, NEC 8500, Amstrad NC-200, Olivetti M10, Sharp PC 7000, 7100 & 7221). Es war übrigens der erste Besuch des Teilnehmers Rechnerfreak beim Retrotreffen. Umso erfreuter war er, dass er seine Sammlung portabler Computer um einen Macintosh Portable erweitern konnte, der ihm am Sonntag im Tausch gegen einen TRS 80 II vom Vereinsmitglied spunkt offeriert wurde. Überhaupt haben bei diesem Treffen wieder viele Rechner neue Besitzer gefunden. Viele Rechner wurden verschenkt, einige Rechner getauscht.
  • verschiedene TRS 80 I & II (RadioShack) mit Wartungsstau. Das Vereinsmitglied wolfgang_a hatte (s)einen defekten TRS 80 II im Gepäck, um diesen gemeinsam mit dem Kollegen Georg zu reparieren. Dieser hatte freundlicherweise sein funktionierendes TRS 80 II-System mitgebracht, um durch den Austausch der Bauteile die Fehlerquelle einzugrenzen. So konnte zwar relativ schnell die Fehlerquelle festgestellt werden, die Reparatur wurde dann aber erst einmal vertagt.
  • verschiedene Atari-Rechner, unter anderem ein Atari Falcon. Der Forumskollege und Atarianer Jens reiste eigens aus Hannover an und fand einen passenden Tisch neben Vereinsmitglied Didi55, der einen Atari TT im Gepäck hatte.

Auf den Punkt gebracht: es war wieder ein sehr interessantes Treffen in Brühl, mit vielen neuen Gesichtern, Erkenntnissen und tollen Rechnern aus der Vergangenheit.

Das nächste Retro-Treffen Köln-Bonner Bucht findet statt am 30. April und eine Anmeldung ist ab sofort möglich. Wahlweise im Veranstaltungskalender des VzEkC-Forum, oder direkt auf der Informationsseite zur Veranstaltung.

Ein Gedanke zu „27. und 28. Februar 2016: Retrotreffen Köln-Bonner Bucht“

  1. Für das Retrotreffen in Brühl habe ich meine alte 1541 mitgebracht. Dieses Floppylaufwerk hat für mich einen besonderen persönlichen Wert, weil diese meine erste Floppy ist, die ich im Alter von 14 Jahren von meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte.
    Leider hat sie nach einigen Jahren tadellosen Dienstes angefangen nicht mehr zu funktionieren.
    Bei dem Retrotreffen haben wir die Floppy genauestens untersucht. Zum Glück habe ich das alte Floppy-Buch mitgenommen, in dem ein Schaltplan der Floppy abgedruckt ist.
    Die Floppy ist aus dem Reset nach dem Einschalten nicht mehr heraus gekommen.
    Helmut und ich sind dann nach und nach die einzelnen Pfade durchgegangen, an denen das Reset-Signal erzeugt, bzw. ausgewertet wird. Wir haben ein IC gefunden, das offenbar ein defektes Gatter hat, welches immer LOW-Pegel ausgibt. Nachdem wir dieses IC gegen ein neues ausgetauscht hatten, war das Reset-Problem weg.
    Die Floppy ließ sich wieder über den C64 ansprechen.
    Leider kann sie immer noch keine Daten lesen. Jetzt ist noch die Frage offen, ob der Schreib-Lese-Kopf hin ist oder ob evtl. der Schrittmotor eine Macke hat, oder das Gate-Array, welches die Zugriffe koordiniert könnte auch hinüber sein, oder die Diskette wird über den Diskettenmotor mit einer falschen Drehgeschwindigkeit angetrieben, sodass der Schreib-Lese-Kopf keine Informationen lesen kann… usw.

    Es gibt noch viel an diesem Diskettenlaufwerk zu tun. Ich habe jetzt von Jürgen ein Diskettenlaufwerk bekommen, bei dem ich die Mechanik kreuztauschen kann. Mal sehen, ob sich jetzt etwas – im wahrsten Sinne des Wortes – bewegt.

    Ich werde dieses Diskettenlaufwerk beim nächsten Treffen am 30. April wieder mitbringen. – Mal sehen, wie weit wir dieses Mal kommen.

    Viele Grüße,
    Mentalysion

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